von Katharina Kleinen-Sigg
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Migräne: Eine unterschätzte Erkrankung mit vielen Gesichtern

Etwa jede siebte bis zehnte Person in Deutschland leidet unter Migräne.1​ Möglicherwiese sind noch mehr Menschen betroffen, denn häufig wird die Erkrankung nicht erkannt: Beratung und Therapie sind folglich unzureichend oder bleiben aus. Dabei lernen wir zunehmend über die Migräne und es gibt wissenschaftlich begründeten Rat.  

Was ist Migräne und wie kommt es zur Diagnose?  

Zwar gibt es vieles, was in der Ursache und Entstehung der Migräne noch unverstanden ist, doch ist klar, dass die Migräne eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung mit genetischen und neurobiologischen Hintergründen ist.1

Die Diagnose der Migräne erfolgt anhand von Kriterien, welche in der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen festgehalten sind.2​ Um herauszufinden, ob die Kriterien erfüllt sind, braucht es etwas Zeit und ein gründliches Anamnesegespräch. Die Migräne wird als in Attacken von 4-72 Stunden auftretend definiert, doch leiden einige Personen unter längeren Attacken oder die Migräne nimmt so viel Raum ein, dass die Pausen dazwischen im Erleben kaum mehr wahrzunehmen sind. Weitere Kriterien sind eine mittlere bis starke Intensität der Schmerzen, ein pulsierender Schmerzcharakter, die Verstärkung durch körperliche Alltagsaktivitäten (z.B. Treppen steigen), die Empfindlichkeit für Licht oder Geräusche, sowie Übelkeit und Erbrechen. Zudem ist es typisch, dass der Schmerz besonders eine Seite des Kopfes betrifft, manchmal aus dem Nacken aufsteigt und sich dann ausbreitet. Nicht wenige Personen mit Migräne beschreiben jedoch auch Schmerzen, die beide Kopfhälften betreffen. Einige beschreiben eine Geruchsempfindlichkeit und auch der Schmerzcharakter wird manchmal anders, etwa als stechend oder drückend beschrieben. Viele Betroffene haben sich schon an ihre Migräne angepasst, so dass es nicht mehr bewusst ist, dass sie Routineaktivitäten vermeiden, wenn eine Attacke aufkommt oder dass sie sich dann zügig in Ruhe begeben. Die Migräne wird oft „hingenommen“, so eine Migräne „hat man eben Mal“ oder die Kopfschmerzen scheinen zunächst nicht ins klassische Bild zu passen, werden dann als „herkömmliche Kopfschmerzen“ oder „Spannungskopfschmerzen“ eingeordnet. Doch hat die korrekte Einordnung als Migräne Bedeutung, denn es ergeben sich hieraus therapeutische Optionen, die nur im Zusammenhang mit der Diagnose Sinn haben.  

Ein „Bild vom Kopf“, in der Regel ein MRT, dient dem Ausschluss anderer Ursachen für Kopfschmerzen und ist dann wichtig, wenn andere oder ungewöhnliche Beschwerden auffallen, die nicht zur Diagnose einer Migräne passen. In einem herkömmlichen CT oder MRT des Kopfes – d.h. außerhalb speziellerer Verfahren im Forschungskontext - ist die Migräne „nicht sichtbar“. Ein unauffälliger Befund würde die Diagnose einer Migräne demnach unterstützen.  

Das Führen eines Kopfschmerztagebuches gilt als wichtig für betroffene Personen und behandelnde Personen.  So können Diagnosekriterien, Wirksamkeit von Medikamenten und Änderungen im Lebensstil gemeinsam beobachtet werden.  

Was sind die therapeutischen Empfehlungen bei Migräne?  

Das A und O der Therapie ist es, herauszufinden, was hilfreich ist: Jetzt und immer wieder im Verlauf der Erkrankung.  

Unterschieden wird die Akuttherapie von der Prophylaxe. Mit Akuttherapie ist die Therapie des Schmerzes gemeint, eventuell auch jene der Übelkeit. Ziel ist es, die Schmerzen möglichst schnell und gut zu lindern. Das ist auch wichtig, da „ausgehaltener Schmerz“ mehr Schmerzen im Laufe der Zeit begünstigen kann. Für die Akuttherapie stehen u.a. herkömmliche Schmerzmittel, wie etwa Ibuprofen oder ASS zur Verfügung oder sogenannte Triptane, welche speziell für die Migräne entwickelt wurden. Tritt die Migräne an mehr als drei Tagen im Monat auf und sind häufig Akutmedikamente notwendig, gilt es zu prüfen, ob eine medikamentöse Prophylaxe Sinn haben könnte. Auch hier gibt es wirksame Medikamente, die schon lange zur Behandlung anderer Erkrankungen bekannt sind, wie z.B. Beta-Blocker. In den letzten Jahren sind Medikamente hinzugekommen, welche spezifischer wirken und nunmehr immer breiter zur Verfügung stehen. Hier handelt es sich um Medikamente, die sich gegen CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) oder dessen Rezeptor richten. CGRP wird eine besondere Bedeutung in der Entstehung der Migräne beigemessen.  

Neben der medikamentösen Therapie ist die nicht-medikamentöse Therapie bedeutsam. Es gilt als sicher, dass regelmäßig angewendete Entspannungstechniken und Ausdauersport die Beschwerden verbessern können. Darüber hinaus gibt es viele kleine und große Stellschrauben, die durch einen achtsameren Umgang mit dem eigenen Kopf und Körper oftmals einen Unterschied bewirken können. Die ausführliche Leitlinie bietet eine Grundlage, um beispielsweise mit der behandelnden Hausärztin oder Neurologin einen individuellen Ansatz zu finden.1

 

Quellen:  

​1. Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) (Hrsg.). „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne,“ AWMF-Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie, 2025.  

2. ​International Headache Society. „Die Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, 3. Auflage – ICHD-3,“ [Internet]. verfügbar unter: https://ichd-3.org/de/. [Zugriff am 13 August 2026].

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