von Katharina Kleinen-Sigg
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Polyneuropathie: Bewegung, Ernährung und Lebensstil sind entscheidend

Viele Menschen bemerken zunächst nur ein leichtes Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Füßen und/oder Fingern. Oft werden diese Symptome ignoriert oder als harmlos eingestuft. Doch hinter diesen Beschwerden kann sich eine Polyneuropathie verbergen – eine Erkrankung der kleinen (peripheren) Nerven, die sich meist schleichend entwickelt und den Alltag zunehmend beeinträchtigt.

Aktuelle Erkenntnisse zeigen: Polyneuropathie ist nicht nur eine Folge von Grunderkrankungen wie Diabetes, oder Vitamin B, bzw. Folsäuremangel, sondern wird wesentlich v.a. im Frühstadium durch den Lebensstil beeinflusst.
Denn Polyneuropathie entsteht selten plötzlich. Vielmehr handelt es sich um einen langfristigen Prozess, bei dem verschiedene negative Faktoren zusammenwirken, die das Nervengewebe schädigen und deren Funktion (Gefühl, Temperaturempfinden, Tiefensensibilität / “Gleichgewichtssinn“) verschlechtern.

Bewegung gilt heute als zentral

Regelmäßiges Training verbessert Muskelkraft, Gleichgewicht und Mobilität und reduziert so auch das Sturzrisiko. Gleichzeitig geraten viele Betroffene durch Schonung in einen Teufelskreis aus Inaktivität und zunehmender Unsicherheit.

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen, insbesondere Vitamin B12 und Folsäure, ist essenziell für die Funktion des Nervensystems. Gleichzeitig verstärken Alkohol, Nikotin und dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte Nervenschäden.

Rauchen und Alkohol zählen zu den wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren. Nikotin verschlechtert die Durchblutung der Nerven und wirkt direkt toxisch, während chronischer Alkoholkonsum sowohl über direkte Nervenschädigung als auch über Vitaminmangel wirkt.

Medikamentöse Behandlung

Bei ausgeprägten Beschwerden kommt die medikamentöse Therapie zum Einsatz. Hier werden vor allem Antidepressiva und Antikonvulsiva verwendet, die die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Ziel ist in der Regel eine Linderung der Beschwerden, nicht immer eine vollständige Schmerzfreiheit. Ergänzend können lokale Therapien wie Lidocain- oder Capsaicin-Pflaster eingesetzt werden, die gezielt an den betroffenen Stellen wirken und meist gut verträglich sind.

Zur ärztlichen Betreuung gehört die Diagnostik mittels neurologischer Untersuchung und Nervenmessungen sowie die Suche nach behandelbaren Ursachen wie Diabetes oder Vitaminmangel. Ebenso wichtig sind die langfristige Therapiebegleitung und Anpassung der Behandlung.

Fazit

Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die durch viele Faktoren positiv und negativ beeinflusst wird. Neben medikamentösen Therapien zur Symptomlinderung spielen Bewegung, Ernährung und der Verzicht auf schädliche Substanzen eine zentrale Rolle in der Verbesserung der Funktion und Erhalt der Mobilität. Ein ganzheitlicher Ansatz lindert daher die Beschwerden und verbessert die Lebensqualität.

Quellen
1. Yang J, Li L, Ye T, et al. Effectiveness of exercise in diabetic peripheral neuropathy. Front Neurol. 2025.
2. Klowak M, Lau R, Mohammed MN, et al. Lifestyle interventions for neuropathy and neuropathic pain. Neurosci. 2025.
3. Deutsche Diabetes Gesellschaft. Therapieoptionen bei diabetischer Polyneuropathie.
4. Paul P, Campbell G, Zekeridou A. Peripheral neuropathy in alcohol use disorder. Mayo Clin Proc. 2024.
5. Windhoff L. Ernährungsstrategien bei Polyneuropathie. Focus Gesundheit. 2024.
6. Nature Reviews. Peripheral neuropathies – latest research. 2026.

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