von Katharina Kleinen-Sigg
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Schlaf unter der Lupe: Wie wir mit moderner Technik unsere Schlafdaten erfassen können

Wie antworten Sie auf die Frage, wie Sie heute Nacht geschlafen haben? Ist es das Bauchgefühl, das Ihnen die Antwort gibt, oder zunächst ein Blick auf das Smartphone beziehungsweise die Uhr? Diese Frage stellt sich, da das digitale Aufzeichnen von Aktivitäten im Alltag immer selbstverständlicher wird1. Grund dafür ist unter anderem, dass der Markt für Technologien, die dabei unterstützen, gewachsen ist1. Wenn Sie nur mal einen Blick auf Ihr Smartphone werfen, welche Daten Ihrer Aktivitäten werden Ihnen angezeigt? Die Schritte, die Sie heute schon gelaufen sind oder Ihr Kalorienverbrauch? Ein weiteres Beispiel kann aber auch das Aufzeichnen davon sein, wie Sie Zähne putzen2. Auch für das Erfassen von Schlafdaten ist längst nicht mehr der Gang in ein Schlaflabor notwendig, da auch in diesem Bereich Selbstvermessungstechnologien für den privaten Gebrauch entwickelt bzw. integriert wurden3.

Wie Schlafdaten im Alltag erfasst werden können und welcher Nutzen sowie welche Risiken damit einhergehen können, wird in diesem Magazinartikel in Kürze beleuchtet.

Nutzen des Erfassens von Schlafdaten

Allgemein betrachtet steht hinter der digitalen Selbstvermessung der Wunsch, mithilfe von Daten Einsicht über sich selbst zu erhalten und auf dieser Grundlage Veränderungen bzw. Optimierungen anzustoßen4. Das gilt auch für den Schlaf: Es können Erkenntnisse gewonnen werden, wie geschlafen wird, und ob es möglicherweise Problematiken gibt3. Das wiederrum kann einen Impuls zur Veränderung des Schlafverhaltens geben3. Warum guter Schlaf wichtig ist und wie Sie gesunden Schlaf fördern können, kann in einem unserer vergangenen Magazinartikel nachgelesen werden.

Was bedeutet das Erfassen von Schlafdaten und wie wird das im Alltag möglich?  

Durch das Erfassen von Schlafdaten, also dem „Schlaftracking“, wird der Schlaf in Form von verschiedenen Daten ausgedrückt und kann somit auf quantitative Art und Weise zugänglich gemacht werden2.  Im Schlaflabor wird die Polysomnographie als „Goldstandard“ herangezogen, wenn es um die objektive Messung des Schlafes geht5 und wird empfohlen, wenn potenziell (atmungsbezogene) Schlafstörungen vorliegen6. Um die Qualität des Schlafes zu bewerten, werden dabei verschiedene Parameter gemessen, beispielsweise die Herzfrequenz, Hirnströme, Sauerstoffsättigung im Blut sowie der Atemfluss6.

Im Alltag kann das Schlaftracking hauptsächlich durch zwei Arten von Produktgruppen erfolgen, zum einen durch tragbare Systeme („wearables“), zum anderen durch nicht tragbare Systeme („nonwearables“ bzw. „nearables“)5. Wie der Name schon sagt, sind Wearables dazu konzipiert, am Körper getragen zu werden7. Beispiele dabei sind vor allem Smart Watches oder Armbänder am Handgelenk, aber auch Tragbares an anderen Körperstellen wie Finger, Kopf oder Oberkörper5,7.  Geräte, die nicht tragbar sind, funktionieren, indem sie sich nahe dem oder der Schlafenden befinden, wobei aus der Entfernung Signale erfasst werden5. Beispielsweise können Geräte auf dem Nachttisch oder an der Matratze platziert werden5. Dann können Mikrofone, Bewegungssensoren und am Körper befindliche Geräte beispielsweise die Temperatur des Körpers, die Bewegung der Augen oder Muskelspannung einschätzen3. Letztendlich liefern Schlaftracker über die Ausgabe eines „Schlafscores“ Auskunft über die Schlafenszeit, Wachzeiten, das Erreichen der Schlafphasen sowie Bewegung in der Nacht3.

Als Basis für die Bewertung des Schlafes dienen Erkenntnisse aus der Wissenschaft, wie beispielsweise die Einteilung in die bekannten Schlafphasen (Wach-, REM-, Leicht- und Tiefschlafphase) und eine Schlafdauer von ca. acht Stunden, also ein „Standardschlaf“3.

Umgang mit dem Erfassen von Schlafdaten im Alltag  

Während im Mittelpunkt der Messungen im Schlaflabor vor allem die Diagnose sowie die Behandlung von Schlafstörungen stehen, zielt Schlaftracking im Alltag meist darauf ab, den Schlaf ohne Krankheitswert zu optimieren3. Das Tracking kann beispielsweise die Motivation fördern kann, auf die eigene Gesundheit zu achten und kann ebenso Spaß machen8.  

Eine aktuelle norwegische Studie, die die Auswirkungen der Nutzung von Schlaf-Apps untersucht, kommt zu dem Ergebnis, dass diese sowohl positive als auch negative Effekte mit sich bringen können, wobei Vorteile, wie beispielsweise, dass durch eine solche App Wissen über den Schlaf generiert werden kann, überwiegen würden9. Eine weitere spannende Erkenntnis ist jedoch, dass Personen, die von Schlaflosigkeit betroffen sind, eher negative Auswirkungen durch das Tracking in Form von Sorgen erleben, was weiterführend untersucht werden sollte9. Außerdem sollten Schlaftracker nicht mit Geräten zum medizinischen Gebrauch gleichgesetzt werden8.

Abschließend ist noch wichtig zu erwähnen, dass neben objektiv gemessenen Parametern auch die subjektive Einschätzung des Schlafes von großer Bedeutung ist8. Die Erholung nach dem Schlafen sowie die Zufriedenheit mit dem eigenen Schlaf müssen individuell selbst eingeschätzt werden8.    

 

Quellen:

1. Wieczorek M, O’Brolchain F, Saghai Y, Gordijn B. The ethics of self-tracking. A comprehensive review of the literature. Ethics & Behavior. 2023;33(4):239–71. doi:10.1080/10508422.2022.2082969

2. Meißner S. Sleeptracking - Zur digitalen Vermessung des Schlafs. Blättel-Mink B, Deutsche Gesellschaft Für Soziologie (DGS), Herausgeber. Gesellschaft unter Spannung: Verhandlungen des 40 Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 2020. 2021. doi:10.21241/SSOAR.99615

3. Reinhardt S, Wettmann N. Das Paradoxon des »richtigen« Schlafs Zur soziotechnischen Variabilität von Schlafnormen in Schlaflabor und Sleeptracking. In: Soziotechnische Transformationen im Sozial- und Gesundheitswesen: kollaborativ, divers, barrierefrei und sozialräumlich. 1. Aufl. Verlagsgruppe Beltz; 2025.

4. Boldi A, Rapp A. Quantifying the Body: Body Image, Body Awareness and Self-Tracking Technologies. In: Wac K, Wulfovich S, Herausgeber. Quantifying Quality of Life. Cham: Springer International Publishing; 2022. S. 189–207. (Health Informatics). doi:10.1007/978-3-030-94212-0_9

5. Chinoy ED, Cuellar JA, Huwa KE, Jameson JT, Watson CH, Bessman SC, u. a. Performance of seven consumer sleep-tracking devices compared with polysomnography. Sleep. 2021;44(5):zsaa291. doi:10.1093/sleep/zsaa291

6. Siegert Prof Dr med. Dr med. dent. Dr h. c. R. Polysomnographie: Was passiert in einem Schlaflabor? [Internet]. Recklinghausen: S•MED Schlaflabor; 2022 [zitiert 19. April 2026]. Verfügbar unter: https://smed-schlaflabor.de/polysomnographie-was-passiert-eigentlich-in-einem-schlaflabor/

7. Buck C, Kessler T, Urbach N. Die Vermessung des Selbst – Chancen und Risiken des Digitalen Self-Trackings. Bd. 11. 2015;Spektrum Universität Bayreuth11(2):54–7.

8. Lefkowitz C. Staff Perspective: Why We Don’t Recommend Wearable Sleep Trackers for the Assessment and Treatment of Insomnia Disorder [Internet]. Center for Deployment Psychology is headquartered at the Uniformed Services University of the Health Sciences; 2021 [zitiert 17. April 2026]. Verfügbar unter: https://deploymentpsych.org/blog/staff-perspective-why-we-don%E2%80%99t-recommend-wearable-sleep-trackers-assessment-and-treatment

9. Lundekvam Berge H, Lundekvam KE, Waage S, Bjorvatn B, Pallesen S, Saxvig IW. Sleep in the age of technology: the use of sleep apps and perceived impact on sleep and sleep habits. Front Psychol. 2026;17:1726473. doi:10.3389/fpsyg.2026.1726473

 

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